Rezension

Marias Vermächtnis - das Evangelium nach Maria Da schreibt Maria, eine Frau aus Fleisch und Blut, mit Gefühl, Verstand und Herz und jenseits aller Glorifizierung am Ende ihres Lebens ihre Geschichte in Briefen, die hernach gebündelt und durch einen Boten an die ferne Freundin gebracht werden. Man erhält einen persönlichen Einblick von damaligen Leben und wird überrascht, wie unbefangen natürlich Maria mit Übernatürlichem umgeht. Man erfährt als Leser genau das, was man schon immer wissen wollte und was einem bisher keiner ausreichend beantworten konnte.

Wie war das mit der Jungfrauengeburt? Wie war Jesus als Kind und wie hat er gelebt, ehe er als erwachsener Mann erst dreißigjährig in der Öffentlichkeit anfing zu wirken? Es ist eine Familiengeschichte der besonderen Art.
Der Schreibstil, ist der Ausdrucksform der Antike gelungen nachempfunden, liest sich anmutig, gut und spannend; man ist "mittendrin" im Geschehen. Die sehr persönliche Auffassung aus Sicht der Brief-Schreiberin ist so authentisch, dass sie an mancher Stelle durchaus anachronistisch mutet und nicht mehr ganz den heutigen Vorstellungen entspricht. Wobei sich mir hierbei die Frage stellt, welchen Werten wir heutigentags überhaupt Wert geben? Worin begründen wir uns letztendlich? Wieweit man da als Leser darin übereinstimmt oder nicht, spielt keine Rolle, weil das Buch insgesamt einfach nur lesens- und empfehlenswert ist. Es ist eine anschaulich gelungene Mischung historischer und fiktiver Persönlichkeiten, da man irgendwann merkt, dass es sich mitnichten um gefundene und übersetzte Briefe handelt, sondern sie der Autor selbst verfasst hat. Die biblisch fundierte und historisch saubere Recherche kann man ruhigen Gewissens annehmen, muss man aber nicht Allein der Gedanke, es könnte ja so gewesen sein, ist aufregend genug. Ich als Leser hatte den Eindruck, dass da jemand der Wahrheit ganz nahe kommt. Mich hat die Lektüre berührt und auf alte Fragen, die mir weder Pfarrer noch Philosoph zufriedenstellend beantworten konnten, immerhin neue Impulse gegeben. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Version da Sylvias auf das alte und doch immer noch aktuelles Thema kontrovers diskutiert werden wird. Immerhin scheiden sich ja seit zweitausend Jahren die Geister an dieser Geschichte...

Fazit: unbedingt lesen, um mitreden zu können (aber Vorsicht: es könnte einem die bisherige Weltanschauung ins Wanken bringen).

Konstantin Vonhausen hat bereits verschiedene Titel bei amazon.de rezensiert.

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